Donnerstag, 27. Juni 2013

Ironman Nizza 22.06.2013

Schon bei der Ankunft am Flughafen Nizza umfängt uns dieses wunderbare und einmalige Gefühl: wir sind in Südfrankreich! Es ist warm, es riecht würzig nach Süden, Himmel und Meer leuchtend blau, die weite Bucht säumen weiße Luxus-Hotels, allen voran das majestätische "Le Negresco". Kitschig und zugleich einfach nur schön. Hier werde ich dieses Jahr meinen dritten ironman bestreiten! Was habe ich es doch gut! :-)

Die Vorbereitungen

Der erste Tag beginnt mit einem frühmorgendlichen Schwimmausflug ins Meer - es ist nicht leicht, über die großen Kieselsteine (nein - kein Sandstrand in Nizza) und durch die Brandung ins Wasser zu gelangen, aber dann macht es richtig Spaß: leichter Wellengang und herrliches blaues Mittelmeer! Noch weiß ich ja nicht, was mich am nächsten Tag hier erwarten wird...mein Glück. Der restliche Tag vergeht mit den üblichen Vorkehrungen, dem Aufbau des Rades, dem Abholen der Startunterlagen und der Erkundung der Wechselzone, des Strandes und natürlich des Zielbereichs. Es herrscht buntes Treiben an der Promenade des Anglais, Touristen vermischen sich mit Triathleten....Café au lait am Strand mit bunten Kompressionssocken und blauen Startbändchen ums Handgelenk....

....gegen Abend bringe ich mein Rad in die Wechselzone, die sich über 400m entlang der Promenade zieht, das wird ein langer Marsch nach dem Schwimmen und vor dem Laufen, aber vielleicht auch eine gute Gelegenheit, den Schwindel nach dem Schwimmen loszuwerden. Hier macht man alles selbst: Beutel entleeren, neu bepacken, Rad selbst an den Stellplatz zurückbringen....das gibt bestimmt lange Wechselzeiten! Ich bekomme meine Startnummer mit schwarzer Farbe auf den Arm und das Bein gemalt und in diesem Moment steigt in mir die wohlbekannte nervöse Rennaufregung auf...

Das Rennen


Schwimmen

Genau, der Wecker klingelt um 4Uhr morgens....so beginnen wohl alle Rennberichte von Langdistanzen und auch, dass einem die Nacht viel zu kurz und unruhig war. So auch bei mir und so auch dieses Mal. Um 5Uhr mache ich mich mit Anke, meiner sich unermüdlich um mich kümmernden Freundin und Supporterin an diesem Wochenende auf den Weg zum Start...es ist ein Spaziergang von ca. 1km und je näher wir kommen, desto trubliger wird es...ich sehe nach meinem Rad, pumpe es auf 10bar auf und befestige die Trinkflaschen...alles ist bereit. Der Blick auf das Ziel im Halbdunkel des Morgens treibt mir die Tränen der...ja, was eigentlich....Aufregung, Vorfreude...ich weiß es nicht.....in die Augen. Irgendwas halt. Ich verabschiede mich von Anke, und gehe zum Strand hinunter. Einer der großen Gründe, warum ich unbedingt hier starten wollte, war das Versprechen des Veranstalters, das Schwimmen zu  entzerren, doch was sich da meinen Augen bietet, stimmt mich eher mißtrauisch: es gibt auf einer Breite von geschätzt 400m am Strand Boxen, die nach den Schwimmzeiten eingeteilt wurden. Also in der Mitte mit direktem Weg zur ersten Boje die Schwimmer unter 55min, rechts und links davon 1:02 und 1:06, und immer so weiter nach außen. Aber, und das wird mir eigentlich erst in diesem Moment so richtig klar: wir starten trotzdem alle gemeinsam und mir will nicht so ganz einleuchten, wann und wo sich das Feld entzerren soll, denn alle haben das selbe Ziel: die erste Boje! Ich stelle mich in die 1:06 Box, ca. 5.Reihe und bin seeehr nervös, über uns fliegt eine kleine Dronen-Kamera, die spektakuläre Bilder macht, hinter uns kreischt ohne Unterlass ein französischer Radio-Moderator, der gleichermaßen Zuschauer und Teilnehmer aufputschen möchte: "come on, put your hands up in the air"...irgendwie gucken aber alle um mich herum ganz fürchterlich ernst...

...dann der Startknall und was dann passiert, ist kaum mit Worten zu beschreiben: 2700 Athleten stürzen sich die steile Böschung hinunter in die Brandung, werden erstmal von den hohen Wellen gebremst, so dass schon auf den ersten 50m ein Stau entsteht, der verhindert, dass ich überhaupt losschwimmen kann, ich paddle mit Wasserballkraul vor mich hin, werde von allen Seiten geschlagen und getreten, das Wasser ist aufgewühlt und ich kann nur noch denken: hoffentlich ist das gleich vorbei. Ist es nicht. Ich komme zu keiner Zeit in einen Schwimmrhythmus, muss ausweichen, Lücken suchen, andere abdrängen, zwischendurch der Versuch, sich an den immer wieder in den Wellentälern verschwindenden Bojen zu orientieren....Spaß zu Beginn eines langen Wettkampftages ist etwas anderes. Das Ganze gipfelt in einem neuen Komplett-Stillstand an der äußersten Boje (wir müssen zwei Runden schwimmen, eine größere und eine kleinere, mit einem kleinen Landgang), als ein Franzose neben mir den Kopf aus dem Wasser hebt und lauthals darum bittet, man möge sich doch beruhigen und mit den Schlägereien aufhören...finde ich eine gute Ansage und irgendwie geht's dann auch wieder weiter, ich hänge mich an wechselnde Fußpaare, aber keins schwimmt ordentlich geradeaus, so dass ich lieber alleine schwimme und zunehmend müde werde. Immerhin kann ich jetzt für ein paar Momente den Anblick der Stadt im Morgenlicht genießen und irgendwann mal, nach einer deutlich flotteren zweiten Runde ist es dann doch geschafft: nur der Ausstieg in der Brandung gestaltet sich schwierig, Helfer ziehen uns aus dem Wasser, man lässt sich einfach mit einer Welle vor ihre Füße spülen und hofft auf einen starken Männerarm...was mir gelingt, der arme Kerl. Was muß der abends für einen Muskelkater haben....



Aber dann, ha, der Blick auf die Uhr: allen Turbulenzen zum Trotz eine Schwimmzeit von 1:06:39! Und damit bin ich glücklich!

Und stürme in die Wechselzone....

Auch hier bietet sich ein ungewohntes Bild: auf langen Stuhlreihen sitzen bequem Athleten, die sich gemächlich umziehen - hat´s hier denn niemand eilig? Ich habe keine Lust, langsam zu machen, ziehe Neo und Kappe plus Schwimmbrille schnell aus, verpacke diese, Helm, Brille, Startnummer auf, weg mit dem Beutel und ab geht's...auf dem Weg zum Rad überhole ich jede Menge Athleten, die sich offenbar nicht mehr an den Standort ihres Rades erinnern können und suchend herumirren...ein mords Gewusel, aber witzig.






Rad

Lange habe ich mich auf diese bergige Strecke gefreut und gegrinst wie ein Honigkuchenpferd, als es endlich in hohem Tempo die Promenade des Anglais entlang und dann Richtung Norden geht - die Sonne kommt ein bisschen hervor, es ist noch angenehm kühl und die Straßen sind wunderbar zu fahren. Es geht mir gut, die ersten km rollen locker, der etwas unerwartet auftauchende Anstieg von 12% auf 500m bringt mich zwar kurz in Hektik wegen des Herunterschaltens, aber irgendwie kriechen wir da alle gemeinsam hoch. Alles gut. In lockeren Serpentinen geht es Richtung Berge, ich genieße die Landschaft, die Dörfer, die Ausblicke, die Zuschauer aus vollen Zügen, die Beine sind gut, ich kann die ersten acht Mädels überholen....dann plötzlich, völlig unerwartet in einer langgezogenen Rechtskurve im Wald: auf der Straße liegt ein gestürzter junger Athlet, um ihn herum schon Helfer, er liegt ganz still, blutüberströmt...wir weichen aus, und die Gedanken kreisen um dieses Bild....ein tiefer Schock, der mich die ganze Radstrecke begleiten wird. Am Abend erfahre ich. dass er an seinen Verletzungen gestorben ist, noch im Hubschrauber auf dem Weg ins Krankenhaus, die Unfallursache ist jedoch noch ungeklärt. Aus meiner Sicht schwer zu beurteilen, weil es keine gefährliche Kurve war. Mit diesen Bildern im Kopf wird nun spürbar langsamer gefahren um mich herum, vor allem, das  muss man so sagen, der männliche Teil der Athleten...

..und nun geht es auch den Col de l`Ecre hoch, 20km Anfahrt, eine wunderschöne Paßstrasse, nicht zu schwer zu fahren, aber eben lang.....sehr lang. Wir überholen viele Hobbyradler, die uns anfeuern und ich genieße als Frau auf solchen Strecken immer eine besondere Aufmerksamkeit, viele Männer können nur meinen Rücken (oder was sonst ;-) ) bewundern, bergab sieht es dann häufig anders herum aus. Ich achte auf regelmäßige Ernährung, trinke sehr viel, die Landschaft ist einfach grandios, die Bergdörfer malerisch....und die Zeit vergeht wie im Flug.....schon sind wir wieder draussen aus den Bergen, es geht Richtung Nizza zurück, nun doch schon etwas müde geradelt, der Nacken und die Schultern steif...leider gestalten sich die letzten flachen 20km als Kampf gegen den vom Meer kommenden Wind, und wo sind die Motorräder? Keiner kontrolliert mehr, und schon hängen alle in Grüppchen zusammen...leider zu weit weg für mich...ein bisschen Erholung hätte gut getan. Und dann geht's unter viel Beifall wieder die Promenade entlang, ich sehe die ersten Läufer...






Radzeit: 5:37:42 (1800HM)  - einfach nur klasse!






















Laufen

Der Weg durch die Wechselzone ist wieder lang, aber ohne Hindernisse, beim Schuhe anziehen werde ich von zwei Mädels von oben bis unten mit Sonnencreme eingeschmiert, eine sehr gute Idee, und ich werde den Marathon in der Sonne tatsächlich ohne Sonnenbrand überstehen!

Und da steht auch schon Anke, endlich ein bekanntes Gesicht - sie ruft mir zu, dass ich zweite bin und ich fliege über die erste Runde! Selbst eine von hinten heranstürmende AK 40erin stört mich nicht, doch dann in der zweiten Runde relativiert sich das Ergebnis: es sind bereits 4 vor mir.....und zwar so weit weg, dass ich da nicht mehr rankommen werde. Es ist spannend für mich zu beobachten, was in meinen Gedanken passiert: einen Moment lang bin ich richtig enttäuscht über die verpasste Hawaii-Quali, kann dann aber doch schnell umschalten: ich bin jetzt und hier und es geht um ein gutes Rennen in Nizza! Das war mein Ziel dieses Jahr, dafür bin ich angereist und ich weiß, dass ich dabei bin, ein richtig starkes Rennen abzuliefern...und so mache ich mich zwar mit nachlassenden Kräften, aber motiviert auf die zweite und dann die fürchterliche dritte Runde...Anke wartet überall auf mich, läuft lange Stücke mit, gibt mir auf, an meine Technik zu denken....das hilft und irgendwann mal ist ein Marathon das, was er halt ist, in einem ironman: die letzte Runde, das "Schlurfen", das Hoffen und Warten auf die nächste Verpflegungsstation, ein paar Schritte gehen, unter die Dusche stellen, Cola trinken, weiter geht's...die Wendepunkt-Strecke wird zunehmend voller und heißer. Aber ich quäle mich durch, bis das Ziel vor mir auftaucht - der Moment, auf den man wartet, monatelang hintrainiert hat in Regen und Kälte: die Abendsonne über Nizza, das Meer, die Kulisse und meinen dritten Ironman geschafft - und bin über die Massen stolz und glücklich.



Laufzeit: 3:52:13  -    das ist MEIN Sahnehäubchen schlechthin: ein Marathon sub4 !!










Ich bleibe dieses Mal auf den Beinen, esse und trinke und gehe mein Rad und meine Beutel holen, mir geht's gut!!!


Gesamtzeit: 10:45:43
AK 5. Platz
Gesamt 14.Platz




 

Mittwoch, 12. Juni 2013

Deutsche AK Meisterin auf der Mitteldistanz!!

What a day....


....das Challenge Kraichgau Rennen gehört schon seit einigen Jahren zu meinem absoluten Lieblingsrennen, fantastisch organisiert, eine Riesen-Stimmung an der Strecke (aber auch nicht zu dröhnend laut) und eine selektive Radstrecke durch wunderschöne Landschaft. Vier Mal bin ich hier nun schon gestartet, einmal auf der Olympischen Distanz, und 2013 nun zum dritten Mal auf der Mitteldistanz.

 

Dieses Jahr wurden hier erstmalig die deutschen Meisterschaften ausgetragen, ein weiterer Anreiz für mich, nachdem ich mich schon letztes Jahr um 12min verbessern konnte, hier nun den Versuch zu unternehmen, meine Zielzeit weiter Richtung 5 Stunden zu drücken.

Geplant und bestellt war freundliches Sonnenwetter, geliefert wurde morgens um 8Uhr Starkregen und Gewitter....die Wechselzone versank in tiefen Pfützen, jegliches auch nur halbwegs trockene Plätzchen unter den Bäumen, unter Zelten, Dachvorsprüngen, ja sogar Einkaufswagen-Häuschen eines Supermarkts wurden belegt von frierenden Athleten, die sich schon eine Stunde früher ihren Neo angezogen hatten....half alles nichts. Barfuß in schlammigen Pfützen, mit blau gefrorenen Lippen...die Moral sank stetig. Und dazu der Anblick der (vermeintlich :-) ) klügeren Athleten, die in Scharen ihre Räder wieder aus der Wechselzone schoben, auf dem Weg ins warme Auto...wie viel Regenrennen muss ich eigentlich noch bestreiten, bis ich mir endlich mal vorsorglich eine Regenjacke oder -weste ins Auto packe? Wieder nur ein Zweiteiler, Armlinge (haha) und die Angst, 90km lang zu frieren.

Schon mal im strömenden Regen unter Blitz und Donner einen Reifen aufgepumpt, Schuhe am Rad befestigt und Verpflegung deponiert? Ist eine Erfahrung wert! :-)

Ein kleines Häuflein SV Nikarianer hielt sich aber tapfer mit munteren Sprüchen bei Laune, und beschloss, nicht aufzugeben!

Und siehe da, das hatte jemand gehört: nachdem der Start um eine Stunde verschoben worden war, hörte der Regen auf und wir wurden ins Wasser geschickt....das in diesem Moment angenehm warm war!

"Hell Bells" von AC/DC, das ist jedes Jahr der Gänsehaut-Moment des Starts der Kraichgau Challenge....es kann endlich losgehen!

Ich habe mich rechts außen einsortiert, die erste Boje im Blick, um mich herum einigermaßen Platz...nach ein paar Handgreiflichkeiten komme ich ganz gut voran, merke allerdings nach einer Weile, dass der große Tross sich links von mir befindet...und ich fast alleine schwimme. Ohne Wasserschatten macht sich für mich als mäßige Schwimmerin die Anstrengung bald bemerkbar, da ich aber sehr zielgenau auf die Boje zuhalte, beschließe ich, auf Kurs zu bleiben, und die Meute weiter links ziehen zu lassen.

Und dann, nach ein paar hundert Metern kommt er wieder, dieser eine (und es ist wirklich nur dieser eine) Moment, wo ich raus möchte, aufhören, einem Boot zuwinken, ein leichter Anfall von Panik, der mich bei fast jedem Rennen packt. Und den ich auch in den Griff bekomme, wenn ich langsamer schwimme und mir Zeit für ein paar ruhige Armzüge nehme. Und dann geht's wieder...

Sehr lang kam mir die Strecke diesmal vor, länger als sonst? ;-), gegen Ende wurde ich ordentlich müde, wie schön, wenn man dann endlich den Trubel vom Ufer vernimmt!

Schwimmzeit: 32:20 - Naja. Genau gleich wie letztes Jahr. Da hätte nach dem vielen und intensiven Training im Winter ruhig noch ein Minütchen drin sein dürfen.

Der Wechsel verlief sehr flott, nachdem ich mich endlich getraut habe, an meinem Neo die Beine unten etwas zu kürzen, schlüpfe ich blitzschnell heraus, klappt alles prima....bis zum Aufsteigen auf das Rad. Fünf Mal findet mein Fuß nicht den Weg in den bereits eingeklickten Schuh, fünf Mal muss ich ihn neu drauf stellen, mit der Hand den Schuh greifen und versuchen, zu treffen.

Aber dann.....endlich: MEIN Rad, MEINE Strecke und ab geht's....ich fahre ohne rechts und links zu schauen, Kopf runter und mit Volldruck....und finde es einfach nur klasse. Die Straßen trocknen ab, es wird heller und wärmer, immer mehr Zuschauer an den Straßen, die ersten Mädels sind schnell überholt und dann wird es ruhiger um mich herum.....so mag ich es! Ich kann mich an mein Vorhaben halten, die Berge hoch lockerer zu fahren und dafür runter Gas zu geben....das spart Energie. Apropos Energie. sechs Gels allein auf der Radstrecke zeigen meinen deutlich erhöhten Bedarf.....

Sie vergeht wie im Flug, die Zeit und schon bin ich wieder in Östringen, wo mir zugerufen wird, dass ich meine AK anführe - welch wunderbares Gefühl, nun mit viel Schwung in die Wechselzone zwei! Hier gelingt mir ebenfalls ein sehr schneller Wechsel, auch wenn in kurzzeitig besorgt bin, als ich nach dem Barfußlaufen über die aufgeweichte Wiese braune Matschfüsse habe und keine Zeit, sie zu trocknen...rein in die Socken und sofort los. Denn: noch weiß ich nicht genau, wo ich stehe, ich will ganz schnell wissen, wie die Abstände sind, und ob ich eine Chance habe, den Platz zu halten....wohl wissend, dass ich auf der Laufstrecke normalerweise eher überholt werde.

Radzeit: 2:45: 38 - das kann sich sehen lassen!! Yipieh! :-)





Und das erfahre ich auch gleich: 4min Abstand nach hinten...das macht mir schon etwas Kopfzerbrechen, denn 4min verliere ich leicht mal bei einem Halbmarathon...aber viel Handlungsspielraum habe ich nicht mehr: die Beine sind schwer und schon die erste Runde kostet mich mehr Kraft als gedacht....was ein Glück, dass hinter mir auch geschwächelt wird, und der Abstand größer wird! Die Unruhe, da könnte noch jemand von hinten kommen, verlässt mich allerdings den Rest des Laufes nicht mehr...es ist ein völlig neues Laufgefühl für mich: das Wissen um die Position und das schiebt doch schon ganz schön....

 

Kurz vor der letzten Runde taucht neben mir plötzlich Yvonne van Vlerken auf, sie schnauft schwer, und trabt 20m mit mir zusammen den Anstieg hinauf...ein kleiner Extra-Schub Motivation, für mich jedenfalls....! Bis auf die letzte Runde kann ich das Tempo ganz gut halten, dann ist die Laufstrecke plötzlich rappelvoll und die Kräfte schwinden merklich.

Endlich darf ich nach rechts abbiegen, in die kleine Arena, und nun darf ich mich auch richtig freuen, niemand kam mehr von hinten....der AK Sieg ist MEINS!!!! :-)

Laufzeit: 1:40:52 - das ist für mich ein sensationelle Zeit, mit der ich überglücklich bin und mir meine gute Laufform dieses Jahr bestätigt...

Die Gesamtzeit von 5:01:52 ist genau die Bestätigung für mein Selbstwertgefühl, die ich brauche, um nach endlosen kalten und nassen, unmotivierten Trainingseinheiten in diesem Winter und Frühjahr mit Vorfreude und Zuversicht am 22. Juni in Nizza beim Ironman an den Start zu gehen!


Aber jetzt wird erst mal gefeiert und die Beine hochgelegt....




 

Montag, 10. Juni 2013

Ein neues Jahr mit neuen Zielen!

Lange, sehr lange hat es gedauert, bis ich mich von der aufregenden und anstrengenden Woche in Hawaii erholt hatte, ich habe die ersten beiden Wochen nur auf dem Sofa gefaulenzt, geschlafen und gefuttert wie ein Scheunendrescher. Die Ehre der ersten Einheit geht an Alex, der mir das mountainbiken näherbrachte, indem er mich den Königstuhl hochjagte und vor allem auch wieder hinunter! ;-) Hier und da ein kleiner Lauf mit Grit, Wolfram und Marco, aber irgendwie streikte das ganze System noch, weder kam rechte Freude auf an der Bewegung und langsam war ich auch. Im November habe ich dann mit dem Schwimmen wieder angefangen, das tat am wenigsten weh und macht im Verein immer viel Spaß.

Auch die Bahn lockte wieder, mit leichten Tempoläufen, aber auch hier die gleiche Erfahrung; während alle frisch und ausgeruht ans Werk gingen, trottelte ich müde hinterher....

Also machte ich nur Dinge, die Spaß machen: ruhige Waldläufe, spinning Kurse, ein bisschen Athletiktraining, schwimmen in verschiedenen Bädern, so lange, bis die Kraft halbwegs wiederkam. Und vor allem die Lust! Schließlich lockten die Wettkampfangebote von allen Seiten, man mußte sich anmelden, viele Rennen, vor allem die Langdistanzen sind schon früh voll. Und da steckte ich auch schon mitten im Dilemma: nochmal eine Langdistanz 2013? Oder ganz "ruhig" mit zweidrei Mitteldistanzen?

Seit mir Christian letztes Jahr im Sommer den link zum Ironman in Nizza geschickt hatte, spukte dieser mir beständig im Kopf herum, schon mal ein gutes Zeichen....Schwimmen im Mittelmeer (kein Massenstart, sondern in Gruppen), eine sehr reizvolle bergige Radstrecke (nur eine große Runde) und den Marathon in vier Schleifen an der Promenade des Anglais entlang...das Ganze bei Sonne und 28°. Wie soll ich sagen: genau mein Ding! Also, angemeldet und das erste Ziel und damit auch das Hauptziel stand fest! Ich freue mich darauf!

Zwei Wochen davor findet die Deutsche Mitteldistanz Meisterschaft im Kraichgau statt, da bin ich natürlich dabei, ebenso eine Olympische Distanz (Tri Pfalz Kaiserslautern) Mitte Mai zur Vorbereitung.

Und da kam doch tatsächlich meine Lauftrainerin mit der Bitte um die Ecke, ich möge doch für die Liga starten nächstes Jahr....okaaaay, viel Ehre, aber auch verdammt schnelle Mädels! Der Respekt ist groß, ich werde mein Bestes geben am 1.5. in Waiblingen (Sprint Distanz) und 20.7. am Schluchsee (Olympische Distanz).

Und so bin ich insgesamt doch ganz gut aus dem Wintertief herausgekommen, habe bereits 2x3 Wochen Belastung plus 1 Woche Entlastung hinter mir, die Wochenumfänge brav gesteigert und schaue nun mit Freude auf die Woche Trainingslager in Fuerteventura: endlich wieder bei angenehmen Temperaturen Rennrad fahren - wird auch langsam Zeit!



Regenreicher und kühler Start in die Saison 2013 - OD Tripfalz Kaiserslautern am 12.05.2013

Für das Wetter konnte der Veranstalter nun wirklich nichts, aber es war zum Davonlaufen, als ich morgens um 8 Uhr am Gelterswoog, einem hübschen Natursee in der Nähe von Kaiserslautern eintraf: 5° und Regen, der Parkplatz aufgeweicht, Zuschauer, Athleten und Helfer vermummt und mit Anspannung in den Gesichtern. 50 Helfer waren gleich mal zu Haus im warmen Bett geblieben, und das brachte den Veranstalter zusätzlich ganz schön ins Schleudern. Wir Triathleten sind ordentlich verwöhnt von großen professionellen Veranstaltungen, dies hier war anders: klein, familiär und mit so manchem nicht ganz durchdachten Detail. So sollte ich meinen after race Beutel (der so klein war, dass noch nicht mal ein paar Schuhe reinpasste!) eine ganze Stunde vor dem Start abgeben. Damit stand ich im wahrsten Sinn des Wortes im Regen; im Neo und barfuß.

Mit Schaudern betrachtete ich den Start der Mitteldistanzler - sollte ich lieber gleich wieder nach Hause fahren? Nix da! Angetreten wird!  Als Nachmelderin auf der olympischen Distanz wurde ich der letzten Staffelstartgruppe zugeteilt, was ich aber mit einem bettelnden Blick abwenden konnte und so eine Gruppe früher mitdurfte. Das 16° kalte Wasser kam einem geradezu heimelig warm vor, das Schwimmen lief prima bis zum kleinen Landgang - bei den Mitteldistanzlern hatte ich schon beobachtet, dass keine Fahne, kein Schild, kein bunter Bogen den Ausstieg kennzeichnete und so manchen Athleten ins Zögern, sich Verirren oder zum falsch Aussteigen brachte....zum Glück hatte sich inzwischen ein tapferer und permanent winkender Helfer in orangefarbener Warnweste positioniert, so dass man einen Anhaltspunkt am Ufer hatte.

Der erste Wechsel verlief, so gut es eben möglich ist, mit kalten Fingern - die Frage, was zieht man an und was lässt man weg, hatte ich auf Einteiler mit Unterhemd und Armlingen reduziert - auf der Mitteldistanz musste man sich da sicher mehr einpacken, man sah Regenjacken, Westen, Handschuhe....Die Hoffnung lag auf der Sonne, die doch ganz bestimmt alles abtrocknen würde...oder? Weit gefehlt, meinem Plan, die blaurot gefrorenen Beine (Füße spürte man sowieso nicht mehr), den Berg hoch wieder warm zu treten, kam der Plan des Regens entgegen: uns erneut komplett nass zu machen.

Irgendwann mal war dann alles egal: Kopf zwischen die Schultern, im kalten Wind den Berg hinunter, die Vorfreude aufs wärmende Laufen....

Wenn ich doch nur die Abstiegszone rechtzeitig entdeckt hätte - da wollte ich doch unbedingt das von Vanni gelernte Absteigen vom Rad üben und stand plötzlich vor der Linie und einem Helfer - zu spät zum Ausklicken. Nun gut, mit Schuhen runter vom Rad....einen zerwühlten blauen Teppich entlanggestolpert und siehe da: zwei Helfer, die mir das Rad abnahmen! 

Und nun kam die größte Herausforderung des Tages: wie sollte ich mit gefühllosen Fingern Socken über gefühllose Füße bekommen? Ein fast unmögliches Unterfangen, für mich jedenfalls....um mich herum rannte alles schon wieder weg und ich saß einfach da. Hilflos. 

Irgendwie klappte es dann doch und der 10km Lauf durch Stadt und Park verlief ab km 6, als meine Füße wieder aufgetaut waren, sehr flüssig. Nach beinahe verpasster Abstiegszone verpasste ich ebenso beinahe den Zieleinlauf, weil auch hier nur ein Helfer zur Verfügung stand, der die Aufgabe hatte, die Läuferschar entweder ins Ziel zu leiten oder auf ihre nächste Runde zu schicken. Der Arme...

Hatte ich schon erwähnt, dass die Sonne unseren Lauf freundlich beschien? Endlich wieder warm! Naja, bis nach dem Zieleinlauf, als der nächste Guss den Schotterplatz in eine Matschwüste verwandelte und uns endgültig vom sehr leckeren Buffet vertrieb.

Das mit dem Pendelbus klappte auch nicht so richtig, so dass ein luxuriöses Taxi mich für 25 Euro an den See zurückbrachte...

Alles irgendwie chaotisch und verrückt, eine Herausforderung und hat trotzdem richtig Spaß gemacht! Ein erfolgreicher Einstieg in die Saison....


 Ergebnis:

Swim: 00:24:11         Bike: 01:10:26             Run: 46:40        G: 2:26:51             (7.Platz Frauen Overall)
 
 
 
 
 
 


 
 

Mittwoch, 17. Oktober 2012

stay strong!

So einen Renn-Bericht verfasst man am besten im noch endorphin-überschwemmten Zustand, dann verliert er nichts an Authentizität für Euch!

Auch dieser Renntag begann für mich um 4Uhr morgens, in der dunklen, in der sehr dunklen Nacht von big island, die dank der fehlenden Großstädte und überhaupt nur sehr spärlicher nächtlicher Beleuchtung sehr dicht wirkt, das Meer rauscht, als ob nichts wäre......ich packe mir die erste Schicht 50er Sonnencreme auf die Haut, auch wenn sie nicht lange dranbleiben wird, wir frühstücken und brechen auf. So lange man alleine ist, hält sich die Aufregung in Grenzen, aber dann....als wir mit anderen Athleten an der Straße stehen, um auf den Shuttle zu warten, wieder diese ruhig-gespannte Stimmung, und das Herzklopfen beginnt.... Wir kommen am Pier an, müssen am Zieleinlauf vorbei, er ist hell angeleuchtet und plötzlich wird einem klar: Das ist es, ich bin jetzt und hier und es geht wirklich los!!!!

Der erste Weg führt mich zum bodymarking, hier wird einem mit schwarzer Stempelfarbe die Startnummer auf den Arm gemalt, freundliche Worte und Aufmunterungen von allen Seiten, Gewusel überall, man wird gewogen und sieht nun schon sehr startbereit aus. Dietmar macht sich in Richtung Schwimmstart auf und ich suche mir meinen Radplatz: Verpflegung anbringen, Flaschen füllen, Schuhe mit Gummis befestigen, Reifen aufpumpen (etwas konservativ mit 10bar, die Sonne wird bald aufgehen und dann wird es richtig schnell warm...mein Alptraum: ein geplatzter Reifen nach dem Schwimmen!), Helm, Brille...es geht sehr eng zu, die Räder stehen in einfachen Holzständern, nichts darf auf dem Boden stehen. Aber überall freundliche Helfer, einer leiht mir sogar seine Lesebrille, weil ich ohne meine eigene nicht die bar Zahl auf der Pumpe lesen kann...;-).

Von dort aus geht es zum Schwimmstart, die Stimmung hier ist etwas, was ich bestimmt mein ganzes Leben lang nicht mehr vergessen werde: es wird langsam heller, der Himmel zart hellblau und grau, Tausende Menschen sítzen auf den Kaimauern, die Profis schwimmen sich bereits ein, während wir hinter dem großen roten Ausstiegstor warten, jeder noch mit kleinen Handgriffen beschäftigt, ich bin sehr froh, noch einen zweiten Anzug zu tragen, über uns dröhnt der Hubschrauber, der Moderator erzählt etwas und dann ist es plötzlich ganz still: eine Männerstimme singt laut ein hawaiianisches Lied, eine Band schlägt die Trommeln, wir bejubeln uns alle: Zuschauer und Sportler. Ein absolut irrer Moment, dem dann sogleich der praktische Teil folgt: die Profis sind unterwegs, wir dürfen ins Wasser!!

Frisch ist es noch und hat ordentlich Brandung. Ich kraule langsam hinaus, halte mich eher links und hänge mich mit vielen anderen an ein Boot, während die vorderste Reihe sich stetig ins Meer hinausschiebt, während die Paddler versuchen, die Masse zurückzudrängen:beim Start werden wir gut 15m vor der offiziellen Startlinie sein, es ist Ebbe. In genau diesem Moment kommt die Sonne über den Berg, die ersten Strahlen tauchen alles in ein goldenes, freundliches Licht, mich überkommt statt einem Herzinfarkt eine tiefe Vorfreude auf dieses Rennen!

Mit dem berühmten Kanonenschuss gehts los...und ich bin sofort positiv überrascht:KEIN Geprügel, ein paar Züge Wasserballkraul, ich finde eine Lücke, die auch eine bleibt und komme sehr schnell ins gleichmäßige Schwimmen. Mir fällt auf, dass insgesamt sehr rücksichtsvoll geschwommen wird: kommt man sich zu nahe, weicht man eher aus, statt sich (wie in F) mit jedem Armzug gegenseitig an den Hinterkopf zu schlagen, ich beruhige mich und fühle mich wohl. Um die Orientierung kümmere ich mich nur sporadisch, da die Strecke geradeaus führt, zieht das Feld einen mit, vor mir findet sich ein paar Füße ein, die regelmäßig schwimmen und die ich fast bis zum Ende der Strecke immer wieder "streichle", das fand der Besitzer bestimmt nervig. Wir kommen schnell zum Wendepunkt, der von einem großen Segelboot markiert wird. Auch hier lautstarke Anfeurer.....nun ändert sich das Schwimmgefühl etwas, die Wellen werden deutlich höher, atmet man im falschen Augenblick, schluckt man Salzwasser, einmal, aber wirklich nur einmal ganz kurz, kommt mir der Magen hoch, das Gefühl legt sich aber wieder. Es wird nun anstrengender, wir schwimmen gegen die Strömung und das macht sich deutlich am Krafteinsatz bemerkbar....aber trotzdem genieße ich es, hin und wieder erhasche ich einen Blick auf ein buntes Fischlein unter mir. Neben uns taucht die Hafenmauer auf, der Trubel nimmt zu, es ist ein so tolles Gefühl, 3,86km im offenen Pazifik geschwommen zu sein. Wir stolpern aus der Brandung, die berühmten Treppen hinauf, mein Blick auf die Uhr verrät mir eine etwas maue Zeit von 1:14. Mit 1:10 hatte ich gerechnet, das ärgert mich erstmal, weil ich zumindest vom Gefühl her doch ganz gut unterwegs war. (Schaut man allerdings auf die Ergebnislisten, ist diese Zeit im AK-Bereich gar nicht soooooooo schlecht....)

Zeit zum Nachdenken bleibt eh keine, als erstes stellen wir uns kurz unter die Frischwasserdusche, um das Salz abzuspülen, ich schnappe mir meinen leeren Radbeutel und drücke diesen ebenso leer der Helferin im Wechselzelt in die Hand....und laufe einfach weiter. Wie doof kann man sein! Nach ein paar Meter bemerke ich, dass ich meine Kappe und Brille noch in der Hand habe, den Schwimmanzug noch trage...also wieder zurück, hektisch versucht den Anzug auszuziehen, mich dabei auf den Hosenboden gesetzt, und alles entnervt einem volounteer in die Hand gedrückt....ein Pleiten-Pech-und-Pannen-Gefühl beschleicht mich...

Aber da steht mein Hexenbesen, freut sich, ich mich auch, streife noch etwas ungeschickt die Armlinge über und bin schnell aus der Wechselzone draussen, problemlos in den Schuhen drin und on the way....die erste Schleife durch Kailua vergeht mit Sortieren, Schwindel ablegen, trinken, und ein Gel essen...dann sind wir auf dem Highway, es wird still um uns herum, den Wind im Rücken fährt es sich die ersten km richtig flott und rund. In gewohnter Manier überhole ich von Anfang an alles, was ich so an Mädels auf dem Rad entdecken kann....das Fahren ist nicht ganz leicht, es bilden sich ständig Grüppchen, alle hängen zusammen, überholen rechts, in dritter Reihe oder auch mal mittendurch...und das mehr oder weniger geschickt, nur mit gut Festhalten verhindere ich einen Sturz, als eine Überholende mein Vorderrad rammt...die Marshalls beobachten uns, lassen uns aber weitesgehend in Ruhe.

Der Wind ändert sich nach ca. 30km, als die ersten böigen Seitenwinde einsetzen, das Fahren wird angespannter, man fährt konzentriert und hält sich fest. Ich versuche dabei, kleine Windlücken zum Essen und Trinken auszunutzen, denn im vollen Wind bekomme ich die Hand nicht hinter mich an die Radflasche. So langsam wird es auch heiß, die angereichten Wasserflaschen sind leider so dünn, dass sie mir bei jeder Bodenwelle in hohem Bogen aus dem Ständer fliegen und ich wieder 7km auf die nächste warten muß...wannimmer ich eine habe, kühle ich mir Nacken, Arme und vor allem den Kopf...wie sich wohl die anderen unter ihren Aerohelmen fühlen? Wenn ich mir die Haltung anschaue, mit der sie fahren, denke ich mir eh, dass sie ruhig auf ihn hätten verzichten könnten!

Der Anstieg nach Hawi erweist sich als echter Kampf: der Wind bläst wie verrückt von der Seite, von vorne, stetig oder auch mal böig, man verkrampft, weil man ständig einen neuen Windstoß erwartet, alle kurbeln alleine vor sich hin....welche Erleichterung, als wir endlich oben sind, ich bin völlig fertig und schon müde. Im kleinen Ort Hawi sind alle Bewohner auf den Beinen, ich nutze die Gelegenheit zu essen, zu trinken und mich erneut zu kühlen.

Dann gehts wieder bergab, der mit Abstand angenehmste Teil der Radstrecke beginnt: Rückenwind, bergab...wagemutig fange ich an, meine mögliche Endzeit zu berechnen....bis die Abfahrt zu Ende ist und der Wind, ach ja, der Wind, wieder von der Seite stürmt und statt einem fröhlichen "Heimradeln" beginnt hier der eigentliche Wettkampf: die kleinen Spielchen mit den Gegnerinnen sind beendet, jeder kämpft und arbeitet allein für sich in der Hitze, kühlt sich, versucht, zu essen, viel zu trinken und hin und wieder einen Blick in die grandiose Landschaft zu werfen.

Beim Versuch, einen der merkwürdigen powerdrinks in meine Flasche umzufüllen, reißt der Verschluß ab und ich leere gelbe klebrige Flüssigkeit über meine Hose, na toll. Die nächste Wasserflasche dient der Reinigung. ;-)

Bei km 130 setzt das nächste Problem ein: in meiner linken Kniekehle zieht es beim Fahren, der Schmerz breitet sich langsam über die Wade, das Knie und den Oberschenkel aus. Es ist nicht unerträglich, aber zusammen mit der nun schon deutlich fortgeschrittenen Müdigkeit und der Hitze beginne ich bei km 150 ein wenig sorgenvoll an den Marathon zu denken....und damit ich ihn ja nicht vergesse, setzt nun der berüchtigte Gegenwind ein, mit aller Heftigkeit von vorne und ich zähle die km rückwärts...als links plötzlich ein Motorrad auftaucht und mir die rote Karte wegen Windschattenfahren zeigt, spitze. Eigentlich nur ein Moment der Unaufmerksamkeit bei mir, und ärgerlich, weil ständig alle im Windschatten hängen und ich mich als einzige Doofe "erwischt" fühle...ich widerstehe aber dem Impuls lauthals zu protestieren, macht eh keinen Sinn. Ein paar km bin ich nun aus Frust langsamer, bis mir einfällt, dass das nächste Penalty Zelt vermutlich in der Wechselzone liegt und ich vielleicht doch ganz froh über ein Päuschen sein werde...

...mit 5:38 auf dem Rad bin ich ganz zufrieden, war ein hartes Stück Arbeit und zu Beginn der Radstrecke hätte ich auf mehr zu hoffen gewagt!

Nach den im gelben Sünderzelt abgesessenen 4 Strafminuten ging es also auf die Laufstrecke, zwar ein bisschen erholt dank der Pause, die ich zum Dehnen der schmerzenden Beinmuskulatur genutzt habe, zugleich aber mit einer Wut im Bauch, stehenbleiben zu müssen und andere vorbeizulassen....in Kamikaze-Laune stürze ich mich den Alii Drive hinunter, völlig vernunft-befreit und viel zu schnell! Aber irgendwie dachte ich mir, ich erlaufe mir einen kleinen "Vorsprung, den ich dann nach und nach aufbrauche, wenn die km splits runtergehen würden. Denn DAS sie runtergehen würden, war angesichts der Strecke in der Hitze völlig klar....

Gesagt, getan: die ersten 18km verliefen relativ sorglos, viele Zuschauer waren da, feuerten unermüdlich an, ließen einen nicht allein und somit auch nicht viel Zeit zum Nachdenken...was man da nicht alles zu hören bekam, von "stay strong" bis "nice legs"! :-)

Als die Palani Road in Sicht kam, erschien sie mir erschreckend lang aufsteigend, ich konnte sie aber mit kleinen flachen Schritten gut erklimmen, um mich herum gingen schon viele. Oben angekommen, brüllte jemand neben mir: "I did it!!", wie wahr. Aber da lag ja noch was vor uns: der Queen K Highway, in voller Nachmittagshitze, ohne Schatten, ohne Zuschauer, ohne Ablenkung....einfach nur ein flimmernder Streifen Asphalt, sich endlos ziehend...ist das zu pathetisch? Naja, wenn man das so 25km lang vor sich hat, kann einem schon pathetisch zumute werden.....;-)

Und so kämpfte ich mich durch den verbleibenden Halbmarathon, alles reduziert auf das Erreichen der nächsten Verpflegungsstation, die nächsten zwei Becher Wasser und ein Becher Cola zum Trinken, die nächsten vier Schwämme über den Kopf, und die nächsten beiden Becher Eis für den Ausschnitt...selbst 1 Meile Abstand kann da ziiiiiiemlich lang werden. Auch, dass mich viele Frauen noch im flotten Schritt überholt haben, war nicht gerade erbaulich und als Ersatz hielt ich mich moralisch daher eher an die schwächelnden Männer, die sehr viel gingen...

Wie, weiß ich nicht mehr genau, aber irgendwann kam ich doch wieder an die große Kreuzung, an der man rechts runter die Palani Road läuft, jetzt sind es nur 1,6km, ich kann schon die Musik und die Ansagen hören, mich überflutet ein berauschendes Gefühl von glücklicher Erleichterung....ICH HABS GESCHAFFT! Die Laufzeit von 4:03 weiß ich noch nicht, aber das war echt der Hammer!!!

Und da ist sie die Ziellinie, die heute morgen noch im Dunklen lag, hell angestrahlt von Scheinwerfern, gesäumt von jubelnden Menschenmassen, die einen abklatschen wollen....angekommen im großen Triathletenhimmel, YEAH!

Was für ein hartes, aber zugleich wunderschönes Rennen! You are an ironman....

In einer Zeit von 11:06:32, AK 17/81






Freitag, 12. Oktober 2012

ein Kaffee auf dem Meer!

Wenn man zum ironman nach Hawaii fährt, gehört unbedingt dazu, dass man zum coffee boat hinausschwimmt, einer kleinen Plattform mit großem weithin leuchtendem Segel - dort hält man sich am Rand fest und bekommt einen kleinen feinen Kaffee gereicht, wer mag, auch noch ein Muffin dazu....sehr spassig! :-)

Dann gings weiter durch richtig hohe Wellen, Bojen fast nicht zu sehen, und dabei habe ich viel Salzwasser geschluckt, dazu einige kalte Strömungen, das war sehr anstrengend. Nachmittags wurde dann die Bojenkette aufgereiht, das sah dann schon gleich viel überschaubarer und damit beruhigender aus. Ich habe mir nun doch noch einen Schwimmanzug gekauft, den ich über den Zweiteiler ziehen werde.....denn DAS hier wird mir ganz bestimmt zu kalt!

Nach einem kleinen Mittagsschlaf  auf dem Sofa mit Meeresrauschen im Hintergrund :-) habe ich meine Bags gepackt (das läuft hier alles ein bisschen anders als bei unseren Rennen in Europa) und mich zum Rad checkin aufgemacht: ein Riesentrubel am Pier, ein Durcheinander von Athleten, Zuschauern, Helfern, Fotografen, Promotion..wie auf dem Basar! Aber irgendwie toll.....

Eine Helferin geleitet einen durch die Wechselzone, man hat leider keine Zeit, einen Moment sinnierend am Rad stehen zu bleiben, sich die Laufwege genauer anzuschauen, sich den Standort des Rades zu merken oder gar ein Bild zu machen: Es geht alles sehr schnell, und zum Glück fällt mir kurz vor dem Hinausgehen noch ein, die Luft aus den Reifen ein wenig herauszulassen...also den ganzen Weg wieder zurück! ;-) Auch die Startnummer, die hier in den Laufbeutel gesteckt wird und nicht am Rad bleibt, sorgt für Fragezeichen, zu der die junge Dame erstmal den Chef holen muß....

Aber nun ist alles geschafft, ich genieße noch ein bisschen die Atmosphäre, mache ein Bild von Macca, der vorbeischlendert, und fahre dann ins Hotel: keine laute Pastaparty, sondern Dietmar hat gekocht!

Jetzt ganz schnell ins Bett, meinen Rennbericht gibts nach meiner Rückkehr, aber wir haben ja zum Glück Facebook....:-)


ein Tag auf dem Meer

...und weit weg von dem Trubel am Pier und auf dem Alii Drive tut gut und entspannt! Mit einem Ausflugsboot wurden wir heute morgen die wunderschöne Küste entlanggeschippert, strahlende Sonne, dunkelblaues Meer, weißschäumende Gischt auf schwarzen Lavafelsen, dahinter grüne Palmen....sensationell schön! Der Anker wurde ausgeworfen und es gab ein kleines Kuchen- und Obstbuffet, Kaffee, Getränke....

....so gestärkt bekamen wir Flossen und Schnorchel und konnten das Leben am Riff unter der ziemlich bewegten Wasseroberfläche bewundern: Steinkorallen,wo sich jede Menge bunte Fische, wie wir sie aus "Nemo" kennen, tummelten: Papageienfische, Wimpelfische und viele andere mehr. Sehr geruhsam und still, das Leben unter Wasser!

Wieder zurück an Bord, gabs einen dive contest für den gelungensten Sprung von Bord (nein, ich nicht!)und ein bisschen Sonnenbaden, als plötzlich ein einzelner Delfin neben uns auftauchte....sooo nah! Er war aber schnell wieder weg, ein ungewöhnlicher Einzelgänger. Dafür legte der Kapitän Reggae Musik auf und tuckerte weiter, um noch mehr Delfine zu finden, was ihm auch gelang!

Plötzlich umgab uns eine ganze Schule, die uns begleitete, immer wieder in eleganten Bögen auftauchend...ein echtes Erlebnis, das sich noch steigerte, als er Gas gab und eine schnelle Wendung vollzog: in den entstehenden Bugwellen "surften" die Delfine und ließen sich übermütig zu manch einem hohen Sprung hinreißen!

Das war eine wunderbare Abwechslung, ging nachmittags mit einer notwendigen und wohltuenden Massage weiter und fand seinen Abschluß in einem leckeren Steak zum Abendessen im outback steakhouse hier in Kailua!


Ab morgen wirds ernst, aber der Tag heute hat gut getan! Und die Vorbereitungen sind im vollen Gange.....